Rund 15 Unternehmen beim Kick-off im 44er Haus. LEADER-Projekt als konkrete Umsetzung aus dem Leondinger Klimaneutralitätsfahrplan.

Leonding, 28. September 2026. Stau am Morgen, knappe Parkplätze und Fachkräfte, die sich den Arbeitsweg zweimal überlegen: Was viele Betriebe bisher allein zu lösen versuchen, wird im Zentralraum Leonding nun gemeinsam angegangen. Mit dem Kick-off im Dachgeschoss des 44er Hauses fiel am 21. September der Startschuss für „Wirtschaft mobil“, ein überbetriebliches Mobilitätsmanagement für die großen Gewerbestandorte in Leonding und Pasching.

Vom Fahrplan in die Umsetzung

Im März 2026 hat der Leondinger Gemeinderat den Klimaneutralitätsfahrplan beschlossen, erarbeitet unter Federführung der Agentur für Standort und Wirtschaft Leonding und mit früher Einbindung der Wirtschaft. Die Treibhausgasbilanz zeigte deutlich, dass rund drei Viertel der Emissionen in Leonding in den Bereichen Mobilität und Wärme entstehen. Der tägliche Weg zur Arbeit ist dabei einer der größten Hebel. „Wirtschaft mobil“ ist deshalb ein logisches Projekt, das aus dem Fahrplan abgeleitet wurde. Gemeinsam mit der Gemeinde Pasching entsteht daraus ein regionales Vorhaben, das über die Gemeindegrenzen hinauswirkt.

„Mit dem Klimaneutralitätsfahrplan haben wir gemeinsam mit der Wirtschaft herausgearbeitet, wo die größten Potenziale liegen. Jetzt setzen wir um“, sagt Daniela Limberger, Geschäftsführerin der Agentur für Standort und Wirtschaft Leonding.

Beide Gemeinden wachsen, und mit ihnen der Pendelverkehr. Der viergleisige Ausbau der Westbahn bringt der Region langfristig moderne Haltestellen und ein dichteres Bahnangebot, während der Bauphase aber auch spürbare Veränderungen im öffentlichen Verkehr. Für Unternehmen wird Erreichbarkeit damit zur Standortfrage und zum Argument im Wettbewerb um Fachkräfte.

Inspiriert von Vorarlberg

Vorbild für das Projekt ist das Vorarlberger Netzwerk Wirtschaft MOBIL. Dort organisieren Unternehmen seit Jahren gemeinsam die Mobilität ihrer Belegschaften, mit messbarem Erfolg: Beim Beschlägehersteller Blum, der seine Erfahrungen beim Kick-off teilte, legen heute 47 Prozent der Beschäftigten den Arbeitsweg aktiv und nachhaltig zurück. Dieses Modell soll nun für den Zentralraum Leonding übersetzt werden, fachlich begleitet vom Energieinstitut Vorarlberg, das das Netzwerk Wirtschaft MOBIL betreut, dem Klimabündnis Oberösterreich und dem oberösterreichischen Regionalmanagement.

„Leonding und Pasching zeigen, wie regionale Zusammenarbeit im Zentralraum funktionieren kann. Vorarlberg zeigt, dass Betriebe viel mehr erreichen, wenn sie Mobilität gemeinsam denken. Das wollen wir auch hier möglich machen“, ergänzt Vizebürgermeister Harald Kronsteiner.

Gemeinsam statt jeder für sich

Bisher organisiert jeder Betrieb Mobilität für sich, obwohl sich die Arbeitswege vieler Beschäftigter überschneiden. „Wirtschaft mobil“ bündelt diese Potenziale: Eine Pendleranalyse zeigt, wer woher kommt und wo sich Wege kreuzen. Betriebsübergreifende Fahrgemeinschaften könnten entstehen. In drei bis fünf Pilotbetrieben sollen in Mobilitätslaboren maßgeschneiderte Lösungen erprobt werden und ein regionales Netzwerk sorgt dafür, dass Erfahrungen geteilt werden und die Zusammenarbeit auch nach Projektende weiterläuft.

„Mobilität endet nicht an Gemeindegrenzen. Gerade in einem eng verflochtenen Wirtschaftsraum wie Leonding und Pasching braucht es gemeinsames Handeln und konkrete Lösungen. Wenn Gemeinden und Betriebe ihre Kräfte bündeln und ins Tun kommen, profitieren die Unternehmen, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die gesamte Region.“, so Bürgermeister Markus Hofko.

Was konkret entstehen kann

Welche Maßnahmen umgesetzt werden, entscheiden die Betriebe auf Basis einer Mobilitätsumfrage. Die Bandbreite ist groß, und gerade der überbetriebliche Ansatz macht vieles erst möglich, was sich für ein einzelnes Unternehmen nicht rechnet.

Fahrgemeinschaften über Firmengrenzen hinweg sind ein naheliegender Start: Wer in Pasching arbeitet und aus derselben Richtung kommt wie die Nachbarin aus dem Betrieb nebenan, könnte sich künftig per App verabreden. Je mehr Betriebe mitmachen, desto besser funktioniert das Matching.

Ein gemeinsamer Shuttle von den Bahnhaltestellen und Knotenpunkten zu den Gewerbegebieten könnte die sogenannte letzte Meile schließen, die heute viele vom Umstieg auf Bus und Bahn abhält. Allein wäre ein solcher Shuttle für die meisten Unternehmen zu teuer, gemeinsam finanziert wird er realistisch. Ergänzend lassen sich Schicht- und Gleitzeiten besser auf die Taktzeiten des öffentlichen Verkehrs abstimmen.

Beim Rad sind Jobrad-Modelle, bei denen Betriebe Fahrräder und E-Bikes steuerlich begünstigt zur Verfügung stellen, in Vorarlberg der Renner. Dazu kommen sichere, überdachte Abstellanlagen, Umkleiden und Duschen sowie Aktionen zum Ausprobieren.

Jobtickets für Öffis, geteilte Ladeinfrastruktur für E-Autos, betriebsübergreifendes Car- und Bikesharing für Dienstwege oder ein gemeinsames Parkraummanagement, bei dem Stellplätze effizienter genutzt oder zwischen Betrieben geteilt werden, sind weitere Bausteine. Einige Vorarlberger Unternehmen gehen noch einen Schritt weiter und bieten ein Mobilitätsbudget: Wer auf den Firmenparkplatz verzichtet, kann den Betrag etwa in ein Jobrad oder ein Öffi-Ticket investieren.

Das Energieinstitut Vorarlberg bringt dafür einen erprobten Werkzeugkoffer mit, der aus über zehn Jahren Netzwerkarbeit entstanden ist. Die Pilotbetriebe in Leonding und Pasching müssen das Rad also nicht neu erfinden, sondern können auf bewährte Lösungen zurückgreifen und sie an die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Austausch auf Augenhöhe

Interessierte Unternehmen aus Leonding und Pasching können sich unter office@standort-leonding.at melden.